Belgische Bourehoehner meine ersten eigenen Hühner

Belgische Bourehöhner

1966 wurde ich in einem kleinen Ort im Westerwald geboren. Meine Kindheit verbrachte ich auf dem Bauernhof meiner Großmütter. Es war einer dieser kleinen Nebenerwerbsbetriebe, auf denen es gerade genug gab um sich selbst zu versorgen. Wir hatten Geflügel, 5 Kühe, einen Norweger und ca. 20 Schafe. Katz und Hund waren selbstverständlich.

Wenn ich zurückdenke an diese Zeit, so ist für mich immer noch das schönste Erlebnis, wenn wir Heu einholten. Bis 1972 wurden dazu eine Kuh und das Pferd vor den Leiterwagen gespannt. Dann durfte ich lenken und die Großmütter schichteten das Heu in den Wagen. Der Duft war das schönste, was ich mir vorstellen kann.
Ich liebte es unsere Tiere zu versorgen, auch wenn das sehr harte Arbeit war, wenn ich immer nach Kuhstall roch... das war mehr Leben, als ich das später lange Zeit erfahren habe.

Bourehoehner Küken und Marans auf der Wiese

Küken auf der Wies


Unsere Hühner waren sehr zahlreich, auch ganz unterschiedliche Rassen. Neben meinen Puppen habe ich oft eines der Hühner in meinen Puppenwagen gesetzt. Kam ich zum Füttern auf den Hof, hopste mir meine Lieblingshenne in den leeren Korb und ließ sich herumtragen. Niemals ist eines entflohen. Dabei kann ich mich auch daran erinnern, das mein Vater und einer seiner Angestellten, wenn sie sich auf den Hühnerhof wagten, vom Hahn massiv attackiert wurden, wogegen sie sich nur mit einem Reisigbesen verteidigen konnten.

Als ich nach vielen Jahren in der Stadt nach Belgien gezogen bin, hatte ich das erste Mal die Möglichkeit, Hühner selbst zu halten. Hier laufen die Hühner nun auf eine Fläche von 3ha frei umher. Für die flugfreudigen, laufbegeisterten Totleger ein idealer Lebensraum.

Die ersten Küken
Die ersten eigenen Hühner haben wir auf dem Lütticher Wochenmarkt erstanden. Es waren 5 braune, 5 weiße und ein schwarzes Küken. Da die kleinen nur einen Tag alt waren, verging viel Zeit, bis wir merkten, das die weißen Hähne waren. Auch konnte ich von den Erfahrungen als Kind nur noch wenig gebrauchen, zu lange war das schon her. Im Internet fand ich dann Rat und Hilfe für alle Fragen. Fragt mich heute jemand, ob ich es wieder genau so machen würde, muss ich nein sagen. Ich kann nur jedem raten, sich vorher über die Bedürfnisse der Tiere die er halten will zu informieren. Diese selbst zu versorgen ist oft viel schwieriger, als man denkt, weil alles, was einem bei fremden Hühnern so einfach vorkommt, bei den eigenen zum echten Abenteuer werden kann.

Unsere Küken wuchsen sich zu riesigen Hühnern aus, sie begannen im Herbst Eier zu legen, die rasch genau so riesig wurden. Eine Freundin brachte mich dazu, nach der Rasse zu forschen. Heraus kam, das es sich um eine reine Wirtschaftssorte handelt, welche nicht als Rasse anerkannt ist. Jedoch brachte mich die Suche zu den weit über 500 weiteren oft sehr fantastisch aussehenden Hühnerrassen und ich begann mich für Rassehühner zu interessieren. Mit Erstaunen erfuhr ich, das viele Rassen vom Aussterben bedroht sind, obwohl sie gute Wirtschaftseigenschaften besitzen. 
Totlegerhahn mit Assendelfterhenne im Gelände

Gustav und Ophelia

Am schönsten fand ich die Rasse der Westfälischen Totleger, besonders wegen des kappenartigen Rosenkammes und der Sprenkelzeichnung. Und goldfarben waren sie für mich besonders schön.

Ophelia
Als im zeitigen Frühjahr ein Bekannter mir Ophelia schenkte, hatte ich mein erstes "Rassehuhn" und wieder stellte sich heraus, das nichts so schwer ist, wie eigene Erfahrungen zu machen. Ophelia war das ängstlichste Huhn, das mir je begegnet ist. Ich setzte sie abends zu meinen Hennen in den Stall, und morgens war sie auf "nimmer wiedersehen" verschwunden. Als sie abends nicht in den Stall kam, auch morgens nicht mehr zu sehen war, dachte ich, der Fuchs habe sie zu sich eingeladen. Aber am Nachmittag lief das fasanenähnliche Huhn dann über den Paddock und abends fand ich sie auf einem Ast sitzend in 7 Metern Höhe, aber weit außerhalb meiner Reichweite. So streute ich dann die kommenden Wochen Körner und hoffte, sie käme zurück. 
Erst nach zwei Wochen traute sie sich in den Stall und begann, Eier zu legen. Das erstaunte mich sehr, weil die kleine Henne über fünf Jahre alt war und schon lange nicht mehr gelegt hatte. Aber sie hielt sich sehr von den anderen Hühnern getrennt, daher beschloss ich, ihr einen passenden Hahn zu besorgen.
Mademoiselle Zacharias mit ihrem Seidenhuhn

Jungzüchterin mit Seidenhuhn

Gustav, mein erster Totlegerhahn beim "Maispaziergang" erworben

Gustav alias "Knolt"

Gustav
Durch eine Kleinanzeige erfuhr ich von einem Züchter in der Nähe von Dortmund, der einen goldenen Westfälischen Totlegerhahn abzugeben hätte. So fuhr ich die 146km um Herrn Zacharias zu besuchen. 

Die huhnbegeisterte Familie züchte nicht nur Westfälsche Totleger, sondern auch Seidenhühner. Und hier bekam ich viele Ratschläge und Informationen zu den Totlegern wie auch den Rat, mich an einen Verein anzuschließen.

Wieder daheim kam der neue Hahn in einen anderen Stall, ich wollte nicht noch mal das Risiko eingehen, das ich ein Tier bekam welches nicht an den Stall zu gewöhnen war. Außerdem war ich doch etwas in Sorge, wegen meiner beiden großen Hähne, denn der neue war gegen die beiden Brocken wirklich ein "halbes Hähnchen" - zierlich, viel kleiner - wollte ich ihn Zeit zum Eingewöhnen geben.
Ophelia konnte ich auch einfangen und trotz ihres heftigen Protestes zu dem neuen in den Stall sperren.
Aber als sie den neuen Hahn sah, war sie wie ausgewechselt, sie schloss sich sofort an ihn an und weicht ihm nie von der Seite. Seit dem 1.05. sind die beiden unzertrennlich, Ophelia wurde zu einer mutigen sehr ranghohen Henne und legte den ganzen Sommer bis zur Mauser jeden Tag ihr Ei. Auch uns gegenüber ist sie nun nur noch distanziert und selbstverständlich zog sie, nachdem sich Gustav eingelebt hatte, mit ihm zu den beiden anderen Hähnen und den Hennen in der Hühnerstall.
Junge Totlegerküken

junge "Unnianer"

Von meinem Besuch in Unna habe ich auch noch Bruteier mitgebracht, aus denen die Küken nun bereits teilweise selber Eier legen.

Durch den "Königlichen Kleintierzuchtverein Hergenrath" habe ich viel Unterstützung für Zucht der Tiere erhalten. Daher kann ich nur jedem raten sich einem Verein anzuschließen und auch dort aktiv mitzuarbeiten. Es lohnt sich allein für die Schutzimpfungen der Tiere, z.B. gegen Newcastel Desease. Diese ist jedem Hühnerhalter, gleich ob privat oder gewerblich vorgeschrieben.

Da ich an Hühnern besonders die Nutztiereigenschaft "Eierlegen" schätze, habe ich ausser den weiß legenden Totlegern auch noch andere Rassen, zB Belgische Bauernhühner, Mechelner Kuckuck, Orpington, Grünleger- und normale Hybriden, außerdem einen kleinen Stamm französischer Marans, die wunderschön dunkle Eier legen.