Vom Belgischen Brakelhuhn behaupten seine Züchter und Freunde mit Stolz, das es die älteste Flämische noch existierende, viellegende Hühnerrasse sei. Dem „Ardenner Huhn“ gilt die gleiche Ehre auf der Wallonischen Seite Belgiens.
Mit den gleichen Stammeltern wie die Campiner entstanden zu Beginn des 18. Jahrhunderts in den beiden Dörfern Ober- und Nederbrakel große, vitale Hühner, die als Alltagsleger, Vielleger, Graue Weißnacken oder Nonnenhühner bald rasche Verbreitung erhielten.
Zuerst wurde vom Brakelhuhn eine silberne Variante gezüchtet, nach und nach verbreitete sich auch ein goldener Farbschlag, der sich nun auch großer Beliebtheit erfreut.
Vor hundert Jahren fand man die Brakel noch in jeder ländlichen Hühnerhaltung. Wegen ihrer großen Wirtschaftlichkeit waren sie auch im umliegenden Ausland sehr begehrt.
Die Lebhaftigkeit machte die Ernährung der Hühner leicht, den ganzen Tag hielten sie sich in Feld und Flur auf, beständig auf der Suche nach Würmern und Insekten, Samen und Grünkraut. Dadurch wurde die Rasse stark und wiederstandsfähig, nur die stärksten überlebten.
alte Ansichtskarte von Silberbrakeln

Alte Ansischtskarte mit Silberbrakelnl
Curtesy of Hubert Spöcker

Die guten Wirtschaftseigenschaften verbreiteten die Brakel rasch, Eier und Tiere wurde auf den lokalen Märkten gehandelt und je nach Region versuchte man Fleischleistung oder Eierproduktion zu steigern. Der Endeffekt war, das zur Gründung des Rassestandards viele unterschiedliche Tiere mit dem Namen Brakel existierten.
Durch den ersten Weltkrieg wurden sehr viele Zuchten vernichtet, die wenigen übrig gebliebenen Tiere hatten sich noch nicht erholt als der zweite Weltkrieg auch alle Aufbaubemühungen zunichte machte. Erst Mitte der 50er Jahre gab es einen Aufwärtstrend in der Brakelzucht, doch waren mittlerweile so viele Rassen von Übersee importiert worden, das die wirtschaftliche Bedeutung der Tiere nicht wieder auf den Vorkriegsstand zu bringen war.
Besonders die Haltung der Legehybriden hat dann die Brakel zum Geflügel für die Kleine Haltung und den Ausstellungszüchter degradiert. Eine Rolle die der wirtschaftlichen Rolle der Brakel in keiner Weise gerecht wird.
Inzwischen wird jedoch die große Wiederstandsfähigkeit, die hohe Anzahl großer Eier und der geringe Futterverbrauch bei kleinen Geflügelhaltern wiederentdeckt und die Brakel gewinnen neue Freunde. Die Schönheit der größten Sprenkelhühner und ihr im Gegensatz zu den ähnlichen Rassen gedämpfteres Temperament tun da ein Übriges.

Die Zeichnung der Brakel ist eine Wellenbänderung, nicht wie vielfach gesehen eine "Brakelung". Dabei stellt die schwarze Farbe die Grundlage der Feder dar, die goldenen oder silbernen Streifen umfassen nur 1/3 der Breite der schwarzen Streifen.

Silberbrakel

Silberbrakel
Zuchtstamm von Hubert Spöker

Musterbeschreibung des Geflügelstandards:
Zuchtidee:
Mittelschweres Landhuhn. Bei gutem, feinfaserigem Fleisch ein fleißiges, frühreifes Legehuhn. Nichtbrüter, Eier kunstbrutfest, lebhaftes Temperament.
Was ist zu fordern?
In erster Linie ein Leistungshuhn mit einer derben, stattlichen, beweglichen Landhuhnform in mittelhoher Stellung; gut ausgebildeter Bauch der Henne.
Was ist abzulehnen?
Zu schlanke, schnittige Körperform, die den Ansprüchen an ein Wirtschaftshuhn nicht genügt, Eichhorn- oder flach getragener Schwanz, zu großer Kamm, Tupfen- oder Hufeisenzeichnung, verschwommene oder graue Zeichnung bei beiden Geschlechtern. 
Form und Kennzeichen


Hahn:
Gewicht: 2 bis 2,75 kg.
Kopf: Gut mittelgroß, breit, leicht abgeplattet.
Schnabel: Mäßig stark, blau, Spitze hornfarbig.
Augen: Dunkelbraun, schwarz erscheinend, Augenlid oft schwärzlich.
Kamm: Einfach, mittelgroß, etwas grob im Gewebe, 5 bis 6 breite Zacken, Fahne ein wenig dem Nacken folgend.
Ohrscheiben: Mittelgroß, bläulichweiß. Gr. F: Völlig rote oder gelbe Ohrscheiben.
Kehllappen: Gut mittelgroß.
Gesicht: Mit feinen Federn besetzt.
Hals: Mittellang, mit vollem Behang.
Brust: Breit, tief, fleischig.
Rumpf: Derbes, breites Rechteck mit abgerundeten Kanten. Gr. F.: Schmächtiger oder kleiner Körper.
Bauch: Breit und voll.
Rücken: Breit in den Schultern, leicht abfallend, voller Sattel.
Flügel: Lang, gut geschlossen, Enden unter dem Behang.
Schwanz: Sehr entwickelt, ziemlich hoch getragen, üppige, breite, lange Sicheln. 
Gr. F.: Zu steil oder flach getragener Schwanz.
Schenkel: Stark, wenig sichtbar.
Läufe: Mittellang, feinknochig, schieferblau, weiße Nägel.


Henne:
Gewicht: 1,75 bis 2,25 kg.
Jahres-Eierleistung: Im 1. Jahr 180 weißschalige Eier.
Bruteier-Mindestgewicht: 55 g.
Nichtbrüter, Eier kunstbrutfest.

Die Henne hat einen vollen Bauch, einen etwas mehr waagerechten Rücken als der Hahn, der einfache Kamm neigt sich im hinteren Teil nach der Seite und zeigt am Kammgrund mitunter blaues Pigment. Dies tritt auf, wenn die Ohrscheiben stärker bläulich sind, und kann auch im unteren Gesicht beobachtet werden. Der Schwanz wird breit getragen, ohne zu fächern; im übrigen dem Hahn bis auf die geschlechtsbedingten Unterschiede fast gleich.


Junge Brakelküken

Junge Brakelküken
Foto: Hubert Spöker

Text entstand in Zusammenarbeit mit Herrn Hubert Spöcker und dem SV der Brakel. 

Kontakt:

Sonderverein der Züchter des Deutschen Brakelhuhnes und Zwerg-Brakelhuhnes
Vors.: Helmut Maurer
Hoffenheimer Str. 28
74915 Waibstadt
Tel: 0 72 61 / 38 18

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