fehlerhafte Federzeichnung
Foto Andrea Fasch  

Bei der Zweistammzucht handelt es sich nicht um das Züchten einer Rasse mit zwei Zuchtstämmen. Hier wird einer züchterischen Besonderheit Rechnung getragen; man sollte jedoch besser sagen, das es heute nicht mehr üblich bzw. Zeitgemäß ist.

Grundsätzlich vererbt sich die Sprenkelung der Landhuhnrassen nach den gleichen genetischen Prinzipien, nach denen sich jede Vererbung richtet. D.H. auf den Genen sind die Erbinformationen in einer bestimmten Weise angebracht, das diese sich entweder bei der Befruchtung durchsetzen oder eben unterdrückt werden.

Nun ist es so, das sich einige Erbinformationen stärker vererben, als andere. Oder sich nur vererben, wenn eine bestimmte andere Information ebenfalls gegeben wird. Vielleicht erinnert das Schulwissen noch an rezessive oder dominante Vererbung.

Spezieller wird es, wenn man sich einen Zuchtstamm zusammen stellen möchte, bei dem man eine feste Erwartung an die Nachkommenschaft hat, sei es, das man auf ein bestimmtes Gewicht hinzüchtet, eine bestimmte Farbe/Zeichnung oder eine bestimmte Legeleistung. Hier muss man dann die Erbbasis der im Zuchtstamm befindlichen Hühner und Hähne kennen.

Bei den Sprenkelhühnern geht es nun nicht nur um Leistung oder Fleischertrag, oder den Erhalt einer "einfachen" Farbe, hier geht es um ein ganz bestimmtes Gefiedermuster, das man erhalten möchte. Alle anders gezeichneten Tiere fallen wie die schlecht legenden oder die zu kleinen Tiere sofort aus dem Zuchtstamm.

Im Laufe der Zeit entdeckte man, das sich nun bestimmte Zeichnungsdetails nicht "einfach so" sondern nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten entwickelten, die dummerweise jedoch andere erwünschte Eigenschaften ausschlossen oder sich zumindest negativ auf diese auswirkten. Dabei viel auch auf, das man die Hennenzeichnung nur mit einer bestimmten Zuchtgruppe erreichen konnte, die oft aber die Hahnenzeichnung nicht brachte und umgekehrt. Immer wenn man versuchte, Hähne und Hennen in einer bestimmten Zeichnungsart zu erhalten, wurden die Tiere anfällig, zu klein oder es waren wieder nur Henne oder Hahn richtig gezeichnet.

Nun haben sich besonders in England in der zeit zwischen 1870 und 1950 die Züchter dazu entschlossen, einige Rassen in einer Zweistammzucht zu halten. Hier stellte man zwei unterschiedliche Gruppe zusammen, von denen die eine nur gute Hennen, die andere nur gute Hähne produzierten.
Besonders traf dies für die Rassen der Campiner, der Friesenhühner, der Redcaps und der Hamburger zu. Auch dort, wo die Züchter genügend Fläche erübrigen konnten um sich dies leisten zu können, wurde gerne auf die Zweistammzucht zurück gegriffen, z.B. in den Niederlanden bei den Friesenhühnern und den Assendelftern (bei diesen kam noch eine Kennfarbzucht hinzu) oder bei einigen Rassen in Norddeutschland.

Als nach dem zweiten Weltkrieg jedoch die Geflügelzucht wieder zunahm, die Restbestände sich konsolidierten und die Zuchten wieder auflebten, war weder die ausreichende Fläche, noch die finanzielle Möglichkeit in dem Maße wie vor den beiden verheerenden Kriegen gegeben. Die Tiere wurden nun zusammengestellt, wie es eben möglich war.

Inzwischen ist die Zweistammzucht ganz "aus der Mode" gekommen. Die guten Möglichkeiten, die diese Zuchtform bieten könnte, sollten jedoch nicht völlig vergessen werden.